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Klassische Musik und Oper von Classissima

Wolfgang Amadeus Mozart

Mittwoch 29. März 2017


Brilliant Classics Blog

gestern

Various Composers: Horn Concertos

Brilliant Classics Blog Dank zahlreicher technischer Verbesserungen entwickelte sich das Horn im Spätbarock vom bloßen Jagd-Signalgeber zu einem variabel einsetzbaren Soloinstrument. Spätestens in der Wiener Klassik avancierte es dann zu einem Geheimfavoriten der konzertanten Musik, nicht zuletzt wegen Mozarts vier berühmter Hornkonzerte (KV 412, 417, 447 und 495). Vor allem im deutschsprachigen Raum und im benachbarten Böhmen bereicherten in der Folge Mozarts zahlreiche Komponisten bis weit in die Spätromantik das Repertoire. „Horn Concertos“ bietet eine einzigartige Sammlung von bekannten und raren Hornkonzerten aus drei Jahrhunderten. Die Box fasst dabei die bekanntesten Konzerte von Georg Philipp Telemann, Joseph Haydn, Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Rosetti, Carl Maria von Weber und Richard Strauss zusammen. Darüber hinaus enthält sie auch zahlreiche Raritäten von vergessenen Meistern wie Johann Beer, Christoph Förster, Peter Johann Fick, Josef Fiala, František Xaver Pokorný, Johannes Sperger, Othmar Schoeck und Hans-Georg Pflüger. Insgesamt wurden 46 Werke zusammengefasst. Die Aufnahmen entstanden zwischen 1979 und 2015. Die Sammlung enthält größtenteils Brilliant-Classics-Eigenproduktionen aus den 2000ern, die durch Lizenzaufnahmen von Berlin Classics und anderen Labels sinnvoll ergänzt werden. Es musizieren weltweit anerkannte Solisten wie Peter Damm, Felix Klieser, Herman Jeurissen und Andrew Joy, die von internationalen Spitzenensembles wie dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach unter der Leitung von Hartmut Haenchen, der Staatskapelle Dresden unter Siegfried Kurz, dem Württembergisches Kammerorchester Heilbronn unter Ruben Gazarian, dem Netherlands Chamber Orchestra unter Roy Goodman, Musica Amphion unter Pieter-Jan Belder und dem Ensemble Cordia unter Stefano Vegetti begleitet werden. Die Anmerkungen im Booklet wurden vom Publizisten, Kritiker und Bratschisten Philip Borg-Wheeler eigens für diese Veröffentlichung verfasst. Horn Concertos erscheint am 7. April 2017 (digital bereits am 3. März) auf Brilliant Classics (Artikelnr. 95412) und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de oder → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden. Weitere Infos über die 10-CD-Box sowie die komplette Tracklist findet man auf der englischsprachigen Produktseite: http://brilliantclassics.com/articles/h/horn-concertos/

ouverture

gestern

"Les Bis" de Georges Athanasiadès (Tudor)

Georges Athanasiadès, Jahrgang 1929, wirkt seit vielen Jahren in der Abtei Saint-Maurice. Dieses Kloster der Augustiner-Chorherren, es befindet sich im Kanton Wallis in der Westschweiz, gilt als das älteste Kloster des Abendlandes, das ohne Unterbrechung existierte – 2014/15 feierte es sein 1500jähriges Bestehen. Als Priester unterrichtete Athanasia- dès lange am dortigen Gymnasium.  Doch er ist nicht nur Germanist und Theologe, er hat in Lausanne auch Musik studiert und sein Solisten- diplom mit Auszeichnung absolviert. Als Organist der Stiftsbasilika Saint-Maurice musiziert Athanasiadès nicht nur im Gottesdienst; er gibt zudem weltweit Konzerte, engagiert sich für den musikalischen Nachwuchs und ist ein gefragter Berater, wenn es um Neubau und Restaurierung von Orgeln geht.  Auf dieser CD präsentiert er nun seine Lieblingszugaben: „Une très longue carrière de concertiste m'a suggéré de grouper un certain nombre de mes encores sous le titre ,Les Bis'“, schreibt Athanasiadès. In seinem Begleit- wort zu dieser CD verweist er auf die Geschichte der Orgel, die ja keines- wegs schon immer ihren Platz im sakralen Raum hatte. Und auch heute wird auf diesem Instrument nicht nur genuin geistliche Musik gespielt; der Farbenreichtum und der orchestrale Charakter des Orgelklanges laden geradezu dazu ein, auch beispielsweise Orchestermusik vorzutragen.  Und so steht auch hier beispielsweise Jesus bleibet meine Freude von Johann Sebastian Bach neben dem Pilgerchor aus der Oper Tannhäuser von Richard Wagner, und die Sonate facile KV 545 von Wolfgang Amadeus Mozart erklingt neben drei Préludes von Frédéric Chopin – arrangiert ebenso wie Wagners Pilgerchor für Orgel übrigens von Franz Liszt. Herzlich tut mich verlangen von Johannes Brahms spielte der Organist an der Orgel der Stiftsbasilika Waldsassen in Bayern; ansonsten ist die Große Orgel der Stiftsbasilika zu hören. Dieses facettenreiche Instrument, eingeweiht 1950, stammt von der Orgelbau Th. Kuhn AG, Männedorf im Kanton Zürich. Es verfügt über 56 Register auf drei Manualen und Pedal. 




Brilliant Classics Blog

24. März

Brilliant Classics: Neuheiten im April 2017

Jeden Monat erscheinen bei Brilliant Classics hochkarätige Neuproduktionen, interessante Wiederveröffentlichungen, Lizenzaufnahmen und enzyklopädische Sammler-Editionen. Sämtliche in diesem Artikel vorgestellten Tonträger sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab dem 7. April 2017 im Handel erhältlich, die digitalen Ausgaben erscheinen bereits am 3 März 2017. Das ist Klassikvielfalt mit Entdeckergarantie. Various Composers: Horn Concertos Various Artists Epoche: Barock · Klassik · Romantik | konzertante Musik Artikelnr. 95412BRC | EAN: 5028421954127 → amazon.de | → jpc.de 10-CD-Box Exemplarische Sammlung von bekannten und unbekannten Hornkonzerten Vom bloßen Jagd-Signalgeber entwickelte sich das Horn, dank seiner rasanten technischen Verbesserung, im Spätbarock und in der Wiener Klassik zu einem Geheimfavoriten der konzertanten Musik. Vor allem im deutschsprachigen Raum und im benachbarten Böhmen bereicherten zahlreiche Komponisten bis weit in die Spätromantik das Repertoire. Die 10-CD-Box „Horn Concertos“ fasst die bekanntesten Hornkonzerte von Telemann, Haydn, Mozart, Rosetti, Weber und Richard Strauss aber auch zahlreiche vergessene Raritäten von Beer, Förster, Fick, Fiala, Pokorný, Sperger, Schoeck und Pflüger zusammen. ♦ Johann Sebastian Bach: Goldberg Variations Pieter-Jan Belder Epoche: Barock | Cembalomusik Artikelnr. 95471BRC EAN: 5028421954714 (CD) → amazon.de | → jpc.de Brilliant Classics Artikelnr. 90008BRC EAN: 5028421900087 (2-LP) → amazon.de | → jpc.de Über 15 Jahre nach seiner bahnbrechenden Einspielung der Goldberg-Variationen, die im Rahmen der ersten „Bach Edition“ von Brilliant Classics entstand, legt Pieter-Jan Belder eine Neuaufnahme des Zyklus’ vor. Sie fasst die neuen Erkenntnisse einer nie abgeschlossenen Beschäftigung mit dem Gipfel der barocken Variationskunst zusammen. Behutsam legt der weltweit anerkannte Cembalist die zahlreichen Schätze und Geheimnisse eines der größten Geniestreiche der Musikgeschichte frei. Gleichzeitig ist das Album der Auftakt einer geplanten Gesamtaufnahme Pieter-Jan Belders der Cembalowerke Bachs. Das Album erscheint sowohl als CD als auch als Doppel-LP. ♦ Jean‐Baptist Barrière · Bernard de Bury: Sonates et suites pour le clavecin Luca Quintavalle Epoche: Barock | Cembalomusik Artikelnr. 95428BRC EAN: 5028421954288 → amazon.de | → jpc.de 2CD Jean-Baptiste Barrière war der bekannteste französische Cello-Virtuose seiner Zeit. Neben einigen Cellowerken hinterließ er eine kleine, aber höchst originelle Sammlung an Cembalosonaten. Bernard de Bury wurde am Hofe von Versailles geboren, wo er quasi ununterbrochen lebte und arbeitete. Sein einziges Buch mit Cembalokompositionen schrieb er bereits mit 17 Jahren. Später war er als Opernkomponist äußerst erfolgreich. Der international gefragte Cembalist Luca Quintavalle hat für sein Solodebüt die Raritäten Barrières und de Burys mit viel Sachverstand und nicht ohne Leidenschaft aufgenommen. ♦ Charles Tomlinson Griffes: The Vale of Dreams – Piano Music Emanuele Torquati Epoche: Spätromantik · Impressionismus | Klaviermusik Artikelnr. 95349BRC EAN: 5028421953496 → amazon.de | → jpc.de CD Charles Tomlinson Griffes war einer der originellsten und bekanntesten amerikanischen Komponisten der Romantik. Durch seinen frühen Tod und die tiefgreifenden Veränderungen im Publikumsgeschmack der 1920er Jahre geriet sein spätromantisches, bisweilen impressionistisch eingefärbtes Werk fast völlig in Vergessenheit. Der italienische Pianist Emanuele Torquati, ein engagierter Anwalt wenig beachteter romantischer Kleinode, hat für „The Vale of Dreams“ einen repräsentativen Querschnitt aus der betörenden Klaviermusik Griffes’ aufgenommen, die viel zu schön ist, um ungehört zu bleiben. ♦ Claudio Monteverdi: Madrigali Libro VIII Le Nuove Musiche, Krijn Koetsveld Epoche: Frühbarock | Vokalmusik Artikelnr. 95152BRC EAN: 5028421951522 → amazon.de | → jpc.de 3-CD Monteverdi benannte sein achtes Madrigalbuch „madrigali guerrieri e amorosi“ (etwa „Madrigale des Krieges und der Liebe“). Damit verdeutlichte er den theatralischen Charakter der Werke und weckte gleichzeitig das Interesse des opernverrückten Publikums für die kleine Form des Madrigals. Höhepunkte der Sammlung sind folgerichtig das opernhafte „Combattimento di Tancredi e Clorinda“ und die bewegende Arie „Lamento della Ninfa“. Le Nuove Musiche unter Krijn Koetsveld belegen einmal mehr ihre technische Souveränität und ihr Feingefühl bei der Umsetzung dieser vollendet dramatischen Werke. ♦ Luigi Mozzani & Ottorino Respighi: Complete Music for Guitar Giulio Tampalini Epoche: Spätromantik | Gitarrenmusik Artikelnr. 95230BRC EAN: 5028421952307 → amazon.de | → jpc.de CD Als Gitarrist, Lehrer und Gitarrenbauer fand Luigi Mozzani erst in Paris, dann0 in Bologna seine eigentliche Bestimmung, nachdem er zuvor erster Oboist der New York Philharmonic gewesen war. Er begann sogar vielversprechend mit dem Komponieren, konzentrierte sich aber bald schon ganz auf seine Lehrtätigkeit. Giulio Tampalini hat sich dem kleinen, hochwertigen Œuvre Mozzanis angenommen und legt die erste Gesamteinspielung dieser völlig vergessenen Meisterwerke vor. Dabei spielt er auf einer von Luigi Mozzani erbauten Gitarre, die zwischenzeitlich im Besitz von Andrés Segovia gewesen ist. ♦ Giovanni Paisiello: 6 Flute Quartets Op. 23 Gabriele Formenti. Flöte Ensemble Il Demetrio Epoche: Klassik | Kammermusik Artikelnr. 95268BRC EAN: 5028421952680 → amazon.de | → jpc.de CD Zu Lebzeiten war Giovanni Paisiello der Superstar der Oper, der zwischenzeitlich sogar in Diensten von Katharina der Großen und Napoleon stand. Kammermusik wie seine Flötenquartette schrieb er allerdings eher für die stets nach neuer Musik hungernde Bourgeoisie. Technisch eher simpel, sind sie dennoch hinreißende Unterhaltungsmusik im besten Sinne. Das Ensemble Il Demetrio musiziert Paisiellos quirlige Flötenquartette mit großer Spielfreude. Als Solist glänzt Gabriele Formenti, der bereits mit seinen Tessarini-Aufnahmen sein Talent für die neapolitanische Schule unter Beweis gestellt hat. ♦ Johann Georg Pisendel: Violin Sonatas Tomasz Aleksander Plusa, Violine Robert Smith, Cello Ere Lievonen, Cembalo Earl Christy, Laute und Theorbe Epoche: Barock | Kammermusik Artikelnr. 95432BRC EAN: 5028421954325 → amazon.de | → jpc.de CD Als virtuosester Violinist des Spätbarocks in Mitteldeutschland beeinflusste Johann Georg Pisendel mit seinen spielerischen Möglichkeiten die Kompositionen seiner Zeitgenossen. Seine eigenen Violinsonaten sind technisch anspruchsvollste Werke, reich an originellen Harmonien und freien Ausdrucksmöglichkeiten. Tomasz Aleksander Plusa hat für sein Debütalbum drei Sonaten mit Basso-continuo-Begleitung und die Solosonate in a-Moll Pisendels eingespielt. Plusa hat sich mit zahlreichen Konzerten in den Niederlanden und auf Festivals in Europa einen hervorragenden Ruf als Barockspezialist erworben. ♦ Jean Baptiste Robin: Fantaisie Mécanique – Music with Organ Jean Baptiste Robin, Orgel Orchestre Régional de Normandie, Jean Deroyer François Chaplin, Klavier Romain Leleu, Trompete Philippe Cuper, Klarinette Frédéric Champion, Orgel Epoche: zeitgenössische Musik | Orgelmusik · Kammermusik · konzertante Musik Artikelnr. 95479BRC EAN: 5028421954790 → amazon.de | → jpc.de CD Jean Baptiste Robin ist nicht nur einer der derzeit besten Organisten Frankreichs, er ist auch Komponist abwechslungsreicher Werke, in deren Mittelpunkt stets die Orgel steht. Mit François Chaplin, Romain Leleu, Philippe Cuper und Frédéric Champion konnte Robin einige der besten Solisten Frankreichs für sein Debütalbum mit eigenen Kompositionen gewinnen. Es beinhaltet sowohl Solowerke für Orgel als auch Kompositionen für Orgel im Duo mit Klavier, Klarinette, Trompete oder einer zweiten Orgel. Höhepunkt des Albums ist die titelgebende „Mechanic Fantasy“ für Orgel, Streicher und Pauken. ♦ Various Composers: El Cant de la Sibil∙la – Sacred Music from Medieval Catalunya Ensemble San Felice, Federico Bardazzi Epoche: Mittelalter | geistliche Musik Artikelnr. 95481BRC EAN: 5028421954813 → amazon.de | → jpc.de CD In der Benediktinerabtei Santa Maria de Montserrat, etwa 40 km nordwestlich von Barcelona, feierte man im Mittelalter die Frühmette am Weihnachtstag mit einem ungewöhnlichen Ritual. Ein Knabe sang als Sibylle verkleidet, mit verbundenen Augen vorchristlich-prophetische Texte, die die Ankunft des Sohn Gottes und das Ende der Welt prophezeiten. Das Projekt „El Cant de la Sibil∙la“, das professionelle Musiker und ambitionierte Amateure vereint, rekonstruiert das archaische Ritual mit früher geistlicher und weltlicher Musik und katalanischen Texten der Zeit so authentisch wie möglich.

Crescendo

22. März

Ein Bestsellerroman auf der Opernbühne – Zur Uraufführung von “Tschick” am Theater Hagen

Es ist eine Erfolgsgeschichte sondergleichen: Mehr als 2,2 Millionen Mal wurde der Roman “Tschick” von Wolfgang Herrndorf verkauft und in mehr als 25 Ländern veröffentlicht. Mit 52 Inszenierungen und 1.156 Aufführungen überholte der Ausreißerroman, der die Geschichte der beiden ungleichen Teenager Maik und Tschick als Roadmovie erzählt, sogar die “Zauberflöte” von Wolfgang Amadeus Mozart in der Theaterstatistik der Spielzeit 2014/15. Und auch die Kino-Bilanz kann sich mehr als nur sehen lassen: 735.568 Besucher haben die Filmfassung von Fatih Akin laut den statistischen Daten der Filmförderungsanstalt bislang gesehen. Da nimmt es eigentlich nicht wunder, dass der Stoff irgendwann auch mal auf der Opernbühne landen musste, das ist so gesehen nur die nächste logische Station der künstlerischen Verwertungskette. Zumal wenn es Komponisten wie Ludger Vollmer gibt. Mit seinen Opern zu “Gegen die Wand” und “Lola rennt” hat sich der äußerst produktive Musiker und Komponist geradezu als Spezialist für solche, schon in ihrer dramaturgischen Konzeption sehr filmaffin gedachte Genres etabliert. Und auch die erst im Januar 2017 in Freiburg uraufgeführte Oper “Crusades” bestätigte seinen Hang zu aktuellen, temporeichen, brisanten und nicht zuletzt publikumswirksamen Stoffen. Sein nächster Streich ist schon in Arbeit: für das Deutsche Nationaltheater Weimar arbeitet Vollmer gerade an einer Opernversion von Dave Eggers Google-Paraphrase “The Circle”. Vollmer hat seine zeitgeistige Nische also gefunden und sich komfortabel darin eingerichtet. Eigentlich ist es aber auch für einen genregestählten Spezialisten wie ihn fast ein Ding der Unmöglichkeit, einen Text wie Herrndorfs “Tschick” mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Witz und Dreistigkeit in ein Genre wie die Oper zu pressen. Das dramaturgische Tempo ist atemberaubend, die Probleme auf der Opernbühne gewaltig. Da drängt sich förmlich die Frage auf, ob das überhaupt gut gehen, oder am Ende doch nur – ganz anders als bei der kammerspielartigen Theaterversion des Textes von Robert Koall – eine halbgare Version eines unbestrittenen Meisterwerkes dabei herauskommen kann. Am Theater Hagen versucht man es dennoch. Das Libretto von Tiina Hartmann komprimiert den dramaturgischen Bogen des Romans mit sprachlicher Konsequenz. Das wirkt zweifelsohne kurzweilig, überzeugt aber nicht immer. Denn statt krampfhaft zu versuchen, möglichst viel von den Inhalten des Romans auf die Opernbühne hinüberzuretten, hätte man lieber einen eigenständigeren Ansatz wählen sollen, etwa das dramaturgische Geschehen noch viel radikaler zu entkernen und noch weiter auf die absolut wesentlichsten Stränge zu konzentrieren oder eben genaue das Gegenteil: alles so weit zu verdichten und zu potenzieren, dass auch dem Opernpublikum angesichts der Geschehnisse auf der Bühne unweigerlich der Atem stockt, es von den Geschehnissen mit der gleichen Wucht überrollt wird wie die beiden Protagonisten. Bei Vollmer hat man allerdings ständig das Gefühl, dass die Opernversion dem Roman verzweifelt hinterher hechelt. Hier wird in einem Affenzahn Szene um Szene abgespult – sage und schreibe 29 in gut zwei Stunden Spieldauer, manche dauern nur wenige Sekunden. Auch das ist rekordverdächtig, aber sicher noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Jack Bauer und “24″ lassen schon grüßen. Immerhin, in Hagen dirigiert Roman Hovenbitzer, der Regisseur des Abends, das temporeiche Bühnengeschehen mit routinierter Hand. Er findet oft originelle und bühnentechnisch gut umsetzbare Lösungen für die vielfältigen szenischen Herausforderungen dieses Stoffes. Auf der reduzierten Bühne (Jan Bammes) wird viel mit Comic-inspirierten Projektionen (Krista Burger) gearbeitet, mit Lichteffekten und szenischen Andeutungen. Ludger Vollmer gibt dem Libretto ein gefälliges Klanggewand: atmosphärisch polyglott, musikalisch ungeheuer vielseitig, stilistisch anpassungsfähig. Das ist mitunter sehr eingängig und immer abwechslungsreich, nur selten jedoch vermag die Musik die Atmosphäre in einer derart kongenialen Art und Weise zu verdichten, die den Genrewechsel zur Oper rechtfertigen würde. Dafür passiert letztendlich zu viel gleichzeitig, dafür will auch der Komponist zu viel auf einmal. Überspringen tut der Funke deshalb nur selten. Sängerisch und im Hinblick auf das Hagener Orchester lohnt sich der Besuch indes: Andrew Finden als Maik und Karl Huml als Tschick sowie Kristine Larissa Funkhauser als Isa leisten Großartiges, ebenso wie die zahlreichen gut besetzten Nebenrollen und der Chor nebst Extrachor des Theaters Hagen. Das Philharmonische Orchester Hagen geht unter der formidablen Leitung von Florian Ludwig mit Schmackes ans Werk und erweist sich als überaus versatiler Klangkörper, der das ganze musikalische Spektrum von gut gemeinten Pop-Anklängen bis hin zu knackig-modernistischen Attacken gekonnt zu bedienen weiß. Weitere Termine: 24.03., 13.04., 20.04., 26.04, 10.05., 28.05., 02.06., 11.06., 08.07.2017 Von Guido Krawinkel



Crescendo

21. März

Woher kommt eigentlich … das Phänomen Wunderkind? - Jung und Alt

Wunderkinder sollen bewundert werden. Im Berliner Volksmund heißt das: „Ick kieke, staune, wundre mir.“ 1925 machte Kurt Weill daraus das Klopslied. Da wo man hinkiekt und staunt, dort lassen sich Wunderkinder in bare Münze verwandeln. Nicht nur Deutschland sucht den Superstar, die ganze Welt ist voller Wunder, man schaue nur bei Youtube nach. Es geht um Superlative, von denen sich das Wunderkind und sein Umfeld erhoffen, Stufe für Stufe in den Olymp von Ruhm und Reichtum zu gelangen. Vor dem Ehrgeiz des Kindes steht der Ehrgeiz der Eltern. Wunderkind Paganini erinnert sich an seinen Vater: „Bald erkannte er meine Naturanlage, ihm habe ich die Anfangsgründe in der Kunst zu verdanken. Seine Hauptleidenschaft ließ ihn sich viel zu Hause beschäftigen, um durch gewisse Berechnungen und Combinationen Lotterie-Nummern aufzufinden, von denen er sich bedeutenden Gewinn versprach. Deshalb grübelte er sehr viel und zwang mich, nicht von seiner Seite zu weichen, so daß ich vom Morgen bis zum Abend die Violine in der Hand halten musste … schien ich ihm nicht fleißig genug, so zwang er mich durch Hunger zur Verdoppelung meiner Kräfte, so dass ich körperlich viel auszustehen hatte, und die Gesundheit zu leiden begann.“ Der Komponist und Musikkritiker Alfred Julius Becher postulierte 1843 in den „Wiener Sonntagsblättern“, man solle „solche Kinderquälerei und Kunstprostitution unter polizeiliche Aufsicht stellen“. Die „Allgemeine Musikalische Zeitung“, zu deren Abonnenten auch Goethe zählte, bemerkte 1823, dass allerorts Wunderkinder „wie Pilze hervorschossen“. So wusste Goethe: „Die musikalischen Wunderkinder sind zwar hinsichtlich der technischen Fertigkeit heutzutage keine so große Seltenheit mehr …“, ergänzte jedoch in Bezug auf den jungen Mendelssohn: „… was aber dieser kleine Mann im Fantasieren und Primavistspielen vermag, das grenzt ans Wunderbare und ich hab es bei so jungen Jahren nicht für möglich gehalten.“ Gegenüber Zelter, der Mendelssohn unterrichtete, staunte er über den Zwölfjährigen: „Was Dein Schüler jetzt leistet, mag sich zum damaligen Mozart verhalten wie die ausgebildete Sprache eines Erwachsenen zu dem Lallen eines Kindes.“ Mozart als Maßstab, es sollte immer ein „neuer Mozart“ her. Mendelssohns Vater war als Bankier erfolgreich, wünschte sich von seinem Sohn Opern und Oratorien. Dafür scheute er weder Kosten noch Mühen. Mit 16 stellte Felix seine Oper Die Hochzeit des Camacho fertig. Der Sommernachtstraum ist das Werk eines 17-Jährigen. War es der Vater, der ihn antrieb oder – Mozart ähnlich – die Ahnung, früh vollenden zu müssen? Felix Mendelssohn starb mit 38. Es kann auch anders sein. Camille Saint-Saëns begann mit sechs Jahren zu komponieren, obwohl ihm dafür noch 80 weitere Jahre blieben. Oder war er erst drei Jahre alt, als er das erste Stück schrieb? Im Reich von „höher, schneller, weiter“ divergieren die Angaben. Mutter und Großtante förderten ihn, der Vater war kurz nach Camilles Geburt verstorben. „Als ich zweieinhalb Jahre alt war, setzten sie mich vor ein kleines Klavier, was seit Jahren nicht mehr geöffnet worden war. Anstatt darauf herumzutrommeln, wie es die meisten in meinem Alter getan hätten, schlug ich eine Note nach der anderen an, jedoch immer erst, wenn die vorherige ausgeklungen war.“ Literatur für Kinder zu spielen langweilte das Wunderkind, bald schon legten sie ihm Mozart und Haydn vor. „Mit fünf konnte ich kleine Sonaten korrekt spielen, gut interpretiert und in exzellenter Genauigkeit.“ Dass er all das unter Zwang getan habe, entkräftet Saint-Saëns in seinen „Musikalischen Erinnerungen“: „Ich habe in einer Biografie gelesen, ich sei mit der Peitsche bedroht worden, damit ich spiele. Das ist absolut falsch.“ Die italienische Geigerin Teresa Milanollo begann ihren Unterricht mit vier Jahren. 1843, als sie 16 war und ihre Schwester Maria elf, spielten die beiden im Wiener Redoutensaal vor 4.000 Leuten. „Seit Paganini dürfte sich kaum ein anderes Concert eines solchen Zuspruches erfreut haben, wie dieses.“ Hier rief Becher nicht nach „polizeilicher Aufsicht“, sondern lobte: „Die in noch so unreifem Alter übernatürlich erscheinende Tiefe der Empfindung und die daraus hervorgehende Vollendung der Exekution. So kann aber auch kein Mann spielen!“ Was steht hinter dem Wunsch, die Welt ins Kieken, Staunen, Wundern zu versetzen? Vielleicht der Ruf, mit dem Kurt Weills Klopslied endet: „Icke! Icke! Icke!!“ Stefan Sell

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